Geschichte

Höker Totengilde Truhe

Am Himmelfahrtstage des Jahres 1625 wurde in Oldesloe die Hökertotengilde gegründet, die älteste der heute noch bestehenden Vereinigungen neben der Bürgerschützengilde.

In der Geschichte der Stadt Oldesloe ist das 17. Jahrhundert mit seinen großen Kriegen, die Verwüstungen, Räubereien, Mord und Brand, Not und Teuerung im Gefolge hatten, als eine schreckliche Zeit gezeichnet, unter der die Einwohner unsäglich zu leiden hatten. Oldesloe, damals im Grenzgebiet der kriegerischen Befehdungen liegend, wurde von den Ereignissen jedesmal besonders schnell und schwer betroffen. Die Auswirkungen des "großen" (30jährigen) Krieges machten sich zunächst in der Stadt nur durch eine ansteigende Teuerung spürbar. Dann aber hielt als Kriegsfurie die Pest ihren Einzug in Oldesloe. Der "schwarze Tod" trat eine Schreckensherrschaft an. Der Toten waren so viele, dass die kirchlichen Einrichtungen für die Bestattungen bei weitem nicht ausreichten. Da taten sich die Brüder der Hökertotengilde zusammen und verpflichteten sich, bei der Beerdigung der Pesttoten in jedem Falle als Leichenträger behilflich zu sein. Durch diese mannhaften Entschlüsse der Gildebrüder der Höker wurde der Gefahr einer noch größeren Ausbreitung der Pestilenz weitgehend entgegengewirkt.

In der Totengilde der Höker und auch in der Bürgerschützengilde zeigte sich hierin die Opferbereitschaft des Bürgers für seine Gemeinde und für seine Mitmenschen. In der damaligen Zeit waren die Zünfte und Gilden die eigentlichen Träger der Selbstverwaltung der Gemeinden. Sie schufen Einrichtungen zum Schutze der Gemeindemitglieder. Ein "Schützenbruder" einer Gilde war ein "beschützender" Mann. Und der Schutz der Gilden erstreckte sich nicht nur auf körperlichen und sachlichen Schutz. Oldesloe zählte zu Anfang des 17. Jahrhunderts nur etwa 1200 Einwohner, und man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass sich viele Bürger gleichwohl in der Totengilde der Höker als auch in der Bürgerwacht für die Allgemeinheit und ihre Stadt voll und ganz eingesetzt haben.

Heute ist die Höker Totengilde eine Sterbekasse, die eine finanzielle Beihilfe zu den Beerdigungskosten leistet. Die Gilde hat z.zt. rund 330 Mitglieder und besitzt ein stattliches Barvermögen von etwa 260.000,00 €. Traditionsgemäß, wie vor mehr als 395 Jahren, findet der Gildetag (Generalversammlung) jeweils am Dienstag nach Pfingsten im Gildelokal (z.Zt. Wigger's Gasthof) statt.